Wenn die Hinrichtung im US-Todestrakt schmerzfreier ist als beim Tierarzt
Was die Protokolle amerikanischer Hinrichtungen über Fehlpraktiken und falsche Spiritualität in deutschen Tierarztpraxen offenbaren.
Pentobarbital ist ein Barbiturat mit zwei Gesichtern:
In Kliniken und Tierarztpraxen ein Narkose- und Euthanasiepräparat – in den USA das Mittel der Wahl bei Hinrichtungen.
Es wirkt zuverlässig: intravenös verabreicht führt es in 30 Sekunden zur Bewusstlosigkeit, kurze Zeit später zum Atemstillstand.
Pentobarbital – ein Medikament zwischen Narkose, Tod und Mythos
Diese pharmakologische Wirkung ist präzise erforscht.
Doch sie entfaltet sich nur dann schnell und schmerzlos, wenn der Wirkstoff tatsächlich in die Blutbahn gelangt.
Wird er dagegen in Muskel oder Bauchraum gespritzt, dauert der Tod mehrere Minuten, begleitet von Atemnot, Gewebereizung und dem Risiko eines Lungenödems – also dem „inneren Ertrinken“ durch Flüssigkeit in der Lunge, während das Herz noch schlägt.
Warum in den USA trotzdem über Schmerzen und Leiden diskutiert wird, obwohl der Tod schnell eintritt
Physiologisch passiert in Sekunden sehr viel
Nach einer intravenösen Injektion von Pentobarbital in hoher Dosis tritt in der Regel innerhalb weniger Sekunden Bewusstlosigkeit ein.
Danach:
- Atemdepression (Atmung setzt aus)
- Blutdruckabfall
- schließlich Herzstillstand
Das Ganze dauert meist 30 Sekunden bis wenige Minuten – bei idealer Venenlage und sterilem, qualitativ reinem Präparat.
In der Theorie klingt das also schmerzfrei und schnell.
Aber: In der Praxis wurden bei Autopsien von Hingerichteten teils physiologische Zeichen festgestellt, die darauf hindeuten, dass nicht immer völlige Bewusstlosigkeit oder Schmerzfreiheit vorlag.
Lungenödeme – das Hauptproblem
Mehrere pathologische Untersuchungen (u. a. in Forensic Science International und durch das Death Penalty Information Center) zeigten:
Bei einer großen Zahl der mit Pentobarbital hingerichteten Personen fanden sich Lungenödeme – also Flüssigkeitsansammlungen in den Lungenbläschen.
Das bedeutet:
- Das Herz pumpt weiter, während die Atmung bereits aussetzt.
- Flüssigkeit tritt aus den Kapillaren in die Lunge.
- Das führt zu einem Gefühl von „Ertrinken im eigenen Körper“, also Luftnot.
Was aus Hinrichtungen für die tierärztliche Einschläferung gelernt werden kann
US-amerikanische Obduktionen hingerichteter Personen haben gezeigt:
Selbst bei korrekter intravenöser Gabe kann es kurzzeitig zu bewusstem Erstickungsempfinden kommen.
Das Justizministerium der USA stellte 2023 fest, dass Pentobarbital
„vor dem Eintritt der Bewusstlosigkeit Empfindungen von Ertrinken oder Ersticken auslösen kann.“
Diese Erkenntnisse stammen aus detaillierten pathologischen Analysen, durchgeführt bei exakter Dokumentation von Dosis, Zugangsweg und Zeitverlauf.
Die Schlussfolgerung ist eindeutig:
Nur eine schnelle, zentrale Wirkung schützt vor Leid – alles, was diesen Prozess verzögert, erhöht das Risiko für Schmerzen und Panik.
In der Oeringer Kleintierpraxis Dr. Warzecha: spirituelle Deutungen statt Pharmakologie
In seinem 2025 veröffentlichten Aufsatz beschreibet der Tierarzt Dr. Warzecha eine Einschläferungs-Praxis, die einen völlig anderen Ansatz verfolgt.
Darin heißt es, Tiere sollten nicht „im Sturz“ über die Vene eingeschläfert werden, weil die Seele „Zeit zum Loslösen“ brauche.
Deshalb wird das Pentobarbital von Dr. Warzecha absichtlich intraperitoneal – also in die Bauchhöhle – injiziert, wodurch der Tod langsamer eintritt; eine Injektion in die Muskulatur (intramuskulär) führt ebenfalls zu einem verzögerten Wirkungseintritt, da das Mittel dort langsamer resorbiert wird. Die intramuskuläre Injektion ist und war jedoch noch nie zugelassen! Die Bauchhöhlen Applikation ist nur in Notfällen zulässig!

Während des Sterbens erhalten die Tiere zusätzlich Sauerstoffzufuhr vor die Nase, weil eine Tierkommunikatorin dies empfohlen habe. Sie habe berichtet, die Tiere empfänden „das langsamere, sauerstoffbegleitete Hinüberschlafen als angenehm“.
Diese Begründung ist ideologisch/spirituell, nicht medizinisch.
Physiologisch kann ein Tier in diesem Zustand keinen Sauerstoff mehr nutzen, da Pentobarbital das Atemzentrum blockiert und häufig Lungenödeme verursacht.
Der Sauerstofffluss ist also symbolisch – nicht wirksam.
Fakten vs. Fühlen – zwei Welten im Umgang mit dem Tod
Die Parallele ist frappierend:
Während in den USA auf Basis medizinischer Daten über wenige Sekunden potenziellen Leidens in Hinrichtungen diskutiert wird,
nimmt man in Teilen der Tiermedizin mehrminütige Erstickungsphasen in Kauf – nicht aus Unwissenheit, sondern in Oering aus spiritueller Überzeugung.
Das medizinisch belegte Risiko – Atemnot, Bewusstsein, Lungenödem – wird durch die Idee ersetzt, die Seele solle „Zeit bekommen, sich zu lösen“.
Wo in Hinrichtungsprotokollen die Präzision der Dosis und der Zugangskontrolle entscheidend ist, wird hier das Leiden mit „Orakelung der Tierkommunikation“ überdeckt.
Das Missverständnis vom „langsamen, sanften Tod“
Die Vorstellung, langsames Sterben sei „sanfter“, hält sich hartnäckig – auch in spirituellen Tierkreisen.
Doch medizinisch gilt das Gegenteil:
Je langsamer die Substanz in den Kreislauf gelangt, desto länger bleibt das Gehirn teilweise aktiv, desto länger werden Atemnot, Herzstress und Schmerz erlebt.
Die Gabe von Sauerstoff, wie sie Dr. Warzecha beschreibt, kann das nicht verhindern: Das Tier atmet kaum noch, und selbst wenn – die Lungenbläschen sind mit Flüssigkeit gefüllt.
Das Gas erreicht das Blut nicht.
Was bleibt, ist eine optische Beruhigung für den Menschen,
eine Art „letztes Ritual“, das aber nichts mit einer sanften Sterbehilfe zu tun hat.
Ethischer Widerspruch beim einschläfernden Tierarzt
Die amerikanischen Todesprotokolle werden heute wegen möglicher Sekunden des Leidens kritisiert –
doch in Deutschland kann ein Tier minutenlang nach einer Bauch- oder Muskelinjektion röcheln und orientierunglos herumrennen, während der Tierarzt meint es mit Sauerstoff „zu begleiten“.
Dieser Widerspruch zeigt, wie gefährlich es ist, spirituelle Deutung über physiologische Fakten zu stellen.
Was in Hinrichtungsdokumenten minutiös als Risiko benannt wird,
wird im Tierbereich romantisiert – als „langsames Hinüberschlafen“.
Dabei gilt medizinisch:
Das sanfteste Sterben ist das schnellste.
Was wir für die schmerzfreie Einschläferung lernen dürfen
Die Erkenntnisse aus US-Hinrichtungen und Tierversuchen zeigen klar:
Pentobarbital wirkt schmerzfrei nur dann, wenn es intravenös und in ausreichender Dosis gegeben wird.
Jede Abweichung – sei es aus „Seelenpflege“, „Kommunikation“ oder vermeintlicher Spiritualität – führt zu unnötigem Leiden.
Die Vorstellung eines „spirituell geführten, langsamen Sterbens“ mag Trost spenden, doch sie ersetzt wissenschaftliche Erkenntnis durch Gefühl.
Und dort, wo Leid verhindert werden soll, ist das gefährlich.
Ergänzende wissenschaftliche Quellen
- AVMA Guidelines for the Euthanasia of Animals (2020)
Abschnitt Barbiturates & Intraperitoneal Injection:
„Intraperitoneal injection may result in delayed onset of unconsciousness and agonal gasping due to hypoxia or pulmonary edema.“
(Intraperitoneale (Bauchhöhle) Injektionen können zu verzögerter Bewusstlosigkeit und Agonie durch Hypoxie oder Lungenödem führen.)
→ Belegt, dass der vermeintlich „sanfte“ Tod durch verzögerte Resorption physiologisch mit Atemnot und Lungenödemen verbunden sein kann. - Offizielle Bestätigung des BVL zur intramuskulären Anwendung von Pentobarbital
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bestätigt uns ausdrücklich, dass die intramuskuläre Anwendung (z.B. in den Oberschenkel) Pentobarbital-haltiger Euthanasiepräparate weder bei Hund noch bei Katze zugelassen ist.
„Hund: Die intramuskuläre Anwendung Pentobarbital-haltiger Euthanasiepräparate ist nicht zugelassen.
Katze: Die intramuskuläre Anwendung Pentobarbital-haltiger Euthanasiepräparate ist nicht zugelassen.“
— Andreas Tief, stellv. Pressesprecher Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Dienststelle Berlin, 2025 - European Food Safety Authority (EFSA), Scientific Opinion on Animal Welfare during Killing (2020)
→ Bestätigt, dass Barbiturate bei nicht-intravenöser Gabe zu einer verlängerten Phase partiellen Bewusstseins und respiratorischer Belastung führen können, insbesondere durch Hypoxie und Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge. - Buffington et al., Forensic Science International, 2023
→ Autopsieberichte hingerichteter Personen nach Pentobarbitalgabe zeigen häufig massive Lungenödeme, selbst bei korrekter Dosierung und intravenöser Applikation.
Dies unterstreicht, dass das Risiko von Atemnot und Erstickungserleben selbst unter optimalen Bedingungen nicht völlig auszuschließen ist.
Quellen & Hintergrund
- Death Penalty Information Center, „Overview of Lethal Injection Protocols“ (2023)
- U.S. Department of Justice, Review of Federal Execution Protocols (2023)
- Andreas Tief, BVL – Presseauskunft zu Pentobarbital und Umwidmung (2025)
- Warzecha, Dr. W. – „Zum Thema Sterben und Einschläfern“, Praxisaufsatz (2025) www.kleintierpraxis-oering.de
- AVMA Guidelines for the Euthanasia of Animals (2020)

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