Inzwischen ist es möglich geworden, dass Tierhalter offen über ihre Erlebnisse sprechen – etwa nach dem Motto: „Bei welchem Tierarzt warst du?“ oder „Hast du schon von Dr. W. gehört?“
Zunehmend erreichen uns neue Erfahrungsberichte. Viele Betroffene möchten jedoch keine rechtlichen Schritte einleiten, selbst wenn Vorfälle von mehreren Personen beobachtet wurden.
Ein Einschläferungsbericht über einen Vorfall vor rund zehn Jahren
Einer dieser Berichte betrifft einen Vorfall, der sich nach Aussage eines Zeugen vor rund zehn Jahren ereignet haben soll.
Demnach wurde ein alter Schäferhund bei einer Einschläferung ohne erkennbare Vornarkose behandelt. Laut Schilderung des Zeugen D habe der Tierarzt die Injektion mit deutlicher Kraft in die Flanke des Tieres gesetzt, worauf der Hund laut aufjaulte.
Anwesend waren der Tierhalter sowie mindestens eine weitere Person (Zeuge D). Der Augenzeuge D gab an, der Ablauf habe ihn stark an die Schilderungen erinnert, wie sie in verschiedenen Medienberichten der vergangenen Monate über Dr. Warzecha beschrieben wurden.
Die Darstellung gibt die persönliche Wahrnehmung des Zeugen D wieder, die übersandte Zeugenaussage war sehr emotional und tiefbewegend.
Der Wunsch nach einem sanften Übergang bei der Einschläferung eint alle Zeugenberichte
Unsere Initiative dokumentiert solche Berichte, um auf mögliche Missstände aufmerksam zu machen und den Dialog über den respektvollen Umgang mit Tieren in schwierigen Situationen zu fördern.
Nach Zeugenaussage D soll bei der Einschläferung eines alten Schäferhundes die Injektion in die seitliche Körperregion – also in die Flanke – gesetzt worden sein. Der Augenzeuge umschreibt die Art und Weise der Applikation mit den eigenen Worten wie folgt: „…und zwar mit großer Wucht. Dr. Warzecha soll die Spritze mit dem Euthanatikum in der Faust gehalten haben.“
Der Hund jaulte laut auf, was auf eine schmerzhafte Reaktion hindeuten lässt.
Augenzeuge D war in seiner Wortwahl und Schilderung sichtlich aufgebracht und verstört – und das sogar nach 10 Jahren Distanz zum Geschehen.
Widerspruch zur Schutzbehauptung durch Dr. Warzecha?
Dr. Warzecha hat in verschiedenen Stellungnahmen erklärt, er würde niemals „durch die Bauchdecke“ injizieren, da dies nicht fachgerecht sei, „ohne vorhergehende Narkose schmerzhaft wäre und weil eine Injektion in den Bauch bei den meisten Hunden per se einfach eine rote Linie überschreitet“, so Dr. Warzecha in der Segeberger Zeitung vom 22.07.25.
Diese Aussage kann auf den ersten Blick so verstanden werden, als widerspreche sie dem geschilderten Vorfall.
Tatsächlich ist die Situation etwas komplexer.
Anatomisch-medizinische Einordnung
1. Flanke ist nicht die Bauchdecke
- Die Flanke liegt seitlich, zwischen Rippenbogen und Hüfte.
- Die Bauchdecke bezeichnet dagegen die untere Mitte des Bauches, also den Bereich zwischen Brustbein und Becken.
- Anatomisch hat die Flanke etwas dünnere Muskel- und Fettpolster als die Bauchmitte, sie ist also weniger muskulös, aber nicht unempfindlich.
2. Muskelverlauf und Empfindlichkeit
- In der Flanke verlaufen schräg angeordnete Muskelschichten (Bauchwandmuskeln), die das Innere des Körpers schützen.
- Diese Schichten sind dünner als in der Bauchmitte, aber gut mit Nerven versorgt.
- Eine Injektion in dieses Gewebe kann sehr schmerzhaft sein, insbesondere wenn das Tier wach oder nicht sediert ist.
- Da sich hier viele Sinnesnerven und kleine Blutgefäße befinden, kann der Einstich einen heftigen Schmerzreiz auslösen.
Bewertung der „Schutzbehauptung“ von Dr. Warzecha
Wenn Dr. Warzecha sagt, er würde „nie durch die Bauchdecke gehen“, kann das formal korrekt, aber inhaltlich irreführend sein:
- Eine Injektion in die Flanke ist nicht dasselbe wie „durch die Bauchdecke“,
- sie umgeht die genaue Formulierung – trifft aber ebenfalls in die Körperwand, also durch Muskelschichten in Richtung Bauchraum.
- Wenn der Hund dabei bei Bewusstsein war, wäre das nicht tierschutzkonform, da es sich nicht um eine intravenöse (venöse) Euthanasie handelt, sondern um eine Injektion ins Gewebe mit verzögerter Wirkung und starkem Schmerzreiz.
Fazit:
Auch wenn man technisch gesehen „nicht durch die Bauchdecke“ geht, sondern „in die Flanke“, bedeutet das nicht, dass der Eingriff schmerzfrei oder fachgerecht war.
Die Unterscheidung ist anatomisch korrekt, aber ethisch und praktisch bedeutungslos, wenn das Tier dabei Schmerzen hatte.
Einfach erklärt:
Die Flanke ist etwas dünner, ja – dort ist weniger Muskelmasse, aber viele Nervenenden.
Eine Injektion dort, besonders ohne Beruhigungsmittel, tut sehr weh.
Dass ein Tierarzt also sagt: „Ich gehe nicht durch die Bauchdecke“, schließt nicht aus, dass er eine schmerzhafte Injektion in die Seite gesetzt hat.
Für den Hund macht das keinen Unterschied im Erleben des Schmerzes – beide Varianten wären extrem unangenehm, wenn keine Sedierung erfolgt ist.



