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Vom Vorwurf der Verleumdungs- und Hetzkampagne zur Selbstbelastung – wie sich der Fall Dr. Warzecha wandelte

verleumdungsvorwurf tierarzt Oering belastet sich selbst

Im Juli 2025 veröffentlichte Dr. Matthias Warzecha auf seiner Website www.kleintierpraxis-oering.de eine „Dank- und Stellungnahme zu den Angriffen“. Darin sprach er ausführlich von einer „Rufmord- und Verleumdungskampagne“, die sich gegen seine Praxis richte.

Der Beginn: Der Tierarzt aus Oering als vermeintliches Opfer

„Es gibt jemanden – den wir nicht kennen, den wir auch nicht in unserer Kartei führen, dessen Tier auch nicht in unserer Kartei steht und den wir auch nicht durch sorgfältigstes Durchsuchen unserer Pflichteintragungen in die Betäubungsmittellisten auffinden können – der oder die eine Rufmord- und Verleumdungskampagne gegen unsere Praxis führt.“

Warzecha beschrieb in seiner Stellungnahme darin anonyme Täter, vermutete politische oder ideologische Motive – etwa seine Haltung zu Corona-Impfungen oder seine „Friedensbotschaften“ im Wartezimmer – und deutete sogar an, dass es sich um eine Form „ritueller Rufschädigung“ handeln könne.

Derartige Verleumdung nur denkbar von Opfer ritualisierter Gewalt – so vermutete der Tierarzt

Er berichtet ausführlich über bundesweite Schätzungen zu Fällen sexualisierter Gewalt an Kindern – Mädchen, Frauen, aber auch Jungen – und zeichnet ein bedrückendes Bild des tatsächlichen Ausmaßes.
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen leitet er daraus ab, dass wohl nur jemand, mit einer gespaltenen/multiplen Persönlichkeit, der selbst Opfer schwerer, möglicherweise ritueller oder systematischer Gewalt geworden sei, zu solch massiven und haltlosen Anschuldigungen greifen könne.

Nach seiner Einschätzung könne nur ein Mensch derart schwerwiegende Behauptungen fantasieren oder erfinden, der selbst auf tiefgreifende traumatische Erfahrungen zurückblickt und/oder eine multiple Persönlichkeit hat.


Er macht deutlich, dass diese Behauptungen nichts mit der Realität seiner Arbeit oder seinen Methoden der Euthanasie zu tun hätten.
Gleichzeitig versucht er, eine Erklärung für die Entstehung solcher Fantasien zu finden – und vermutet deren Ursprung in tief sitzenden seelischen Verletzungen und möglicherweise unverarbeiteten traumatischen Erfahrungen der betreffenden Person.

Die entsprechenden Stellungnahme (war als PDF zum Download zur Verfügung gestellt) ist inzwischen von der Website entfernt. Zuvor hatte Dr. Matthias Warzecha in seiner Stellungnahme im Juli 2025 geschrieben:

Es könnte aber auch ganz andere Motive geben.
Wir setzen uns im Wartezimmer für Frieden ein. Das gefällt heute nicht Jedem. Wir haben uns in der Corona-Zeit deutlich
vor allem auch gegen die mRNA-Impfung von Kindern gestellt. Das gefiel auch nicht Jedem. Weil es generell für Therapeuten, aber auch für tiermedizinische Therapeuten
wichtig ist, darüber Bescheid zu wissen, habe ich mich intensiver mit den 870.000 multiplen (gespaltenen) Persönlichkeiten befasst, die es in Deutschland gibt. Ich habe darüber einen langen, unvollständigen (und deshalb
unveröffentlichten) Artikel geschrieben. So etwas bleibt aber nicht unbemerkt. Ungefähr jede hundertste Person in Deutschland ist also davon betroffen. Meist Mädchen bzw.
Frauen. Aber auch Jungen, bzw. Männer. Multiple Persönlichkeit wird man fast nur, wenn man als Kind (rituell) gefoltert wird. Man bleibt es oft ein Leben lang, und Menschen können sich in bis zu 25 unterschiedliche Personen spalten. Wenn man sich traut, kann man im Internet Informationen finden und es gibt Bücher mit unter anderem verstörenden Selbsterfahrungsberichten. Ich habe auch Betroffene interviewt. Die riesige Zahl der Betroffenen zeigt, dass es eine riesige Zahl von Tätern gibt, und dass wir alle viel genauer schauen müssen.

Dieser Zusammenhang hört sich zunächst weit hergeholt an. Aber es ist tatsächlich genau dies, was mir der oder die Täter vorwerfen: Absichtliche, geplante, rituelle Folter an Tieren …“

Damit stilisierte er sich nicht nur als Opfer, sondern entwarf zugleich eine narrative Verteidigung, die die Vorwürfe vollständig ins Reich anonymer Intrigen verschob.

Die Wende: Selbstbelastende Aussagen und offizielle Reaktionen von Behörden

Nur wenige Wochen später änderte sich die öffentliche Wahrnehmung grundlegend.
Im Zuge der Recherchen des Hamburger Abendblatts räumte Dr. Warzecha selbst ein, dass er Euthanasien regelmäßig per Injektion in die Bauchhöhle (intraperitoneal) durchführte – teilweise ohne vorherige Narkose.

Diese Methode hatte er bereits zuvor auf seiner Website selbst beschrieben. Nach wachsender Kritik wurde der entsprechende Abschnitt später durch Dr. Warzecha gelöscht.

„Stark geschwächte Katzen erhalten bei uns gleich die Überdosis Pentobarbital in die Bauchhöhle, um ihnen die zusätzliche Belastung mit Übelkeit und Erbrechen zu ersparen.“
(Zitat aus Warzechas eigener Erklärung im Hamburger Abendblatt, 16.10.2025)

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bestätigte daraufhin, dass genau solche Vorgehensweisen bundesweit ein bekanntes Problem darstellen:

„Eine Injektion in die Bauchhöhle ist nur in Ausnahmefällen zu vertreten“, erklärte BVL-Sprecher Andreas Tief.
„Eine vorausgehende tiefe Sedierung oder Narkose ist zwingend erforderlich, wenn das Euthanasiepräparat nicht intravenös verabreicht wird.“

Auch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein reagierte und forderte eine schriftliche Stellungnahme von Dr. Matthias Warzecha an. Der Vizepräsident, Dr. Carsten Rehder, äußerte sich eindeutig:

Die Kammer betonte, man müsse mögliche Berufsverstöße ahnden, um den Ruf der Tierärzteschaft zu schützen.

Von der „Hetzkampagne“ zur dokumentierten Fehlpraxis beim Einschläfern ohne Narkose

Was anfangs als „anonyme Verleumdung“ galt, wurde durch eigene Aussagen und amtliche Bewertungen faktisch bestätigt.

Noch bevor die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Anschuldigungen wegen rechtswidriger Einschläferungen bestätigte, zeigte sich Warzecha fassungslos und suchte die Ursache der vermeintlichen Verleumdung in einem ganz anderen Milieu: Er erklärte, die Vorwürfe müssten von Missbrauchsopfern stammen – eine Projektion, die seine eigene Verantwortung in ein symbolisches Täter-Opfer-Schema verkehrte.

Warzecha bemühte in seiner Verteidigung Vergleiche aus dem Hexenhammer und der Inquisition, um zu betonen, dass er im Gegensatz zu jenen, die angeblich „Seelen an der Wiedergeburt hindern“ wollten, Tiere niemals quälen würde.


Die von Warzecha behauptete „Verleumdungskampagne“ erweist sich damit im Rückblick nicht als Diffamierung, sondern als frühzeitige Kritik an einer tatsächlich tierschutzrelevanten Praxis.

Fazit: Eine Geschichte, die sich selbst überholt hat

Die Dynamik dieses Falls zeigt exemplarisch, wie sich öffentliche Wahrnehmung verschieben kann, sobald Fakten statt Emotionen im Vordergrund stehen.
Während Warzecha im Sommer 2025 noch breite Unterstützung aus seinem Umfeld erhielt – getragen von persönlichen Sympathien und jahrelanger Bindung zwischen Tierarzt und Haltern – basierte diese Solidarität auf Vertrauen, nicht auf fachlicher Kenntnis.

Heute ist die Lage eine andere:
Warzechas eigene Einlassungen, kombiniert mit den Bewertungen der Tierärztekammer und des Bundesamts, haben die Diskussion auf eine sachliche Ebene zurückgeführt.

Der Vorwurf, er habe ohne ausreichende Sedierung gearbeitet, ist nicht länger eine Behauptung, sondern Teil seiner eigenen Dokumentation.

So hat sich das Narrativ vom Opfer einer Hetzkampagne in eine Selbstentlarvung durch Transparenz verwandelt – und die Geschichte überholt sich selbst.

Mitte Oktober ist die Stellungnahme und der Aufsatz von Dr. Warzecha nicht mehr auf seiner Website aufrufbar.

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